Geschichte

2018-05-05 19:59:48 15

Im Historiker-Streit um die Frage nach dem Ursprung des Tai Chi Chuan, wer was wann begründete, ist kein Ende abzusehen. Wie oft bei traditionellen Überlieferungen, kursieren verschiedenste Legenden im Volk. Darüber wie Zhang Sanfeng, der berühmte Taoist aus den Wudang Bergen, den taoistischen Gedanken in die Kampfkunst integrierte und damit das Tai Chi Chuan erfand, oder wie Chen Wangting in Henan, Ende der Ming Dynastie (um 1644), die tradierte Kampfkunst seiner Familie zum Tai-Chi-Chuan weiterentwickelte.

Inzwischen ist die offizielle Lehrmeinung, dass sich das Tai Chi Chuan in der späten Ming und frühen Qing-Dynastie (Mitte des 17. Jh) entwickelte und sich in der Folge allmählich zur Reife gelangte.

Es gilt als gesichert, dass Yang Luchan (1799 – 1872) aus Hebei von Chen Changxing (1771 – 1853) in Chenjagou (Henan) das Chen Jiaquan lernte, den Kampfstil der Chen - Familie, und ihn unter dem Namen Mian Quan in Peking verbreitete.

Als Weng Tonghe (1830 – 1904, Lehrer der beiden Kaiser Tonghi und Guangxu) im Jahr 1864 einer Demonstration Yang Lu Chans Kampfkunst beiwohnte, war er des Lobes voll. Die Darbietung wirke wie Tai Chi, soll er bemerkt haben.
Daraufhin wurde Yangs Kampfkunst allgemein als Tai-Chi-Chuan bezeichnet.

Yang Luchan gab seine Kunst an seine beiden Söhne Yang Banhou (1837 – 1892) und Yang Jianhou (1839 – 1917) weiter. Sie lebten in Duan Zaifu, wo er bis 1989 als Gouverneur der Armee diente.
Abgesehen vom direkten Wirken von Vater Yang und seiner Söhne, war es vor allem dem Umstand, dass viele ihrer Schüler hohe Beamte, Politiker und Adelige waren, zu verdanken, dass dieser Stil sich sehr erfolgreich verbreitete.

Der Chen-Stil und die fünf Familien, Chronologie der Entwicklung

Chen Wangting1600-1680entwickelte Tai-chi Chuan gegen Ende der Ming-Dynastie (um 1644 n. Chr. )

Chen Changxing (1771-1853) fasste Tai-chi Chuan zu zwei Formen des „großen Rahmens“ zusammen.

Chen Youben (1780-1858) entwickelte daraus die „Kleine Rahmen-Form“, Es handelt sich dabei im Wesentlichen um die gleichen Bewegungsmuster wie die des großen Rahmens, sie werden aber nur in reduzierter, weniger raumgreifender Form ausgeführt, sozusagen als komprimierte Skizze. Dies erlaubte das Trainieren auf kleinstem Raum.

Chen Qingping (17951868), Neffe von Youben  zog in das Dorf Zhaobao,  lehrte dort die Kleine Rahmen-Form und entwickelt sie weiter.

Chen Fake (1887-1957) geht 1928 nach Peking und lehrt dort den Chen Stil.

Im gleichen Jahr geht sein Neffe Chen Zhaopi (1893 - 1972) als Tai Chi Chuan Meister nach Nanking.

Der Chen-Stil wird erstmals allgemein bekannt und der Öffentlichkeit zugänglich.

Yang-Stil:

Yang Luchan (1799—1873) lernte Tai-chi Chuan von Chen Changxing und entwickelte den Yang-Stil.

Wu-Stil:

Quan You (1834-1902) lernte Tai-chi Chuan von der Yang Familie, sein Sohn Wu Jianquan (1870—1942) entwickelte daraus den Wu-Stil.

Wu/Hao Stil:

Wu Yuxiang (1812 - 1880) lernte Tai-chi Chuan von Yang Luchan und Chen Qingping und entwickelte den Wu-Stil, sein Neffe Hao Weizhen wird sein Nachfolger.

Sun Stil:

Sun Lutang (1860-1933) war schon ein Großmeister in Bagua und Xingyi, als er Tai-chi Chuan von Hao Weizhen lernte und einen eigenen Stil entwickelte.

Seit 1956 ist Taichi mit seiner 24er-, 48er- und 88er-Form (Yang- und Wu-Stil) in China Volkssport.

1989 entsteht die 42er-Form für den Wettkampf. Gleichzeitig entwickelt jede Familie ihre eigene Wettkampform.